Stadtmüll (Angst vor der Natur) Poem by ANA RISTOVIĆ

Stadtmüll (Angst vor der Natur)

Spazieren fährst du mit dem Auto;
von den Bäumen liebst du,
was von ihnen im Rückspiegel bleibt.

Siehst du eine Kuh, sagst du: Schau, eine Kuh!
Und der Fleck auf ihrem Fell
wird zu vergeudetem Erdöl.

Du frierst in der Morgensonne,
wärmst dich am ersten Schild
und den Verkehrszeichen.

Inmitten eines blühenden Feldes
denkt du bald über Literatur nach,
bald über die Kilometer, die dich von
der nächstgelegenen Apotheke trennen:

Dein Kopf birst vor Schmerzen,
zugleich mit der klaren Sicht
in alle vier Himmelrichtungen.

Siehst du einen Igel, sagst du: Schau, ein Igel!
Und seine Stacheln werden
zu kleinen Granatwerfern.

Du setzt dich hin im gleißenden Mondlicht,
brennend vom Zuviel an Schwermut
in einer zu langen Dämmerung.

An einem verlandenden Flussarm
ersehnst du dir Telefonzellen,
im Dickicht wenigstens eine
unterkühlte menschliche Stimme.

Dein Missbehagen wächst mit der Luftflut.
Deine Angst mit dem Zuviel an Blau.
Deine Privathölle wallt auf
mit jedem neuen Zusammenstoß
von Licht und Pupille.

Siehst du deinen Schatten
in der öden Lichtung, sagst du: Schau, ein Schatten!
Und dein Schatten wird zu Moos,
das weder hier noch anderswo
etwas findet, um das es wachsen kann.

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